Stand der Wissenschaft, Ziele und allgemeines Konzept des Verbundes

Die Ähnlichkeit der klinischen und pathologischen Veränderungen von zwei chronisch inflammatorischen Darmerkrankungen, der Paratuberkulose des Rindes (Johne’sche Krankheit [JD]) und des MC beim Menschen sowie das vergleichbare Auftreten klinischer Symptome im mittleren Lebensalter sind Ursache für eine seit fast 100 Jahren andauernde Diskussion um die Rolle von MAP beim MC. Insbesondere der Nachweis von MAP in pasteurisierter Milch im Jahre 1998 führte zu einer Verstärkung der Diskussion, die bis heute anhält.

Bei der Paratuberkulose erfolgt die Infektion weitgehend fäkal-oral bei ungen Kälbern. Während der langen Inkubationszeit (3-5 Jahre) vermehrt sich der Erreger in subepithelialen Makrophagen und wird intermittierend ausgeschieden. Nach dem Übergang in die klinische Phase kommt es bei anhaltendem Durchfall zu einer massiven Erregerausscheidung (ca. 108/g Kot). MAP zeichnet sich durch eine außerordentliche Tenazität in der Umwelt aus und wird auch in Lebensmitteln, insbesondere in Milch und Milchprodukten, nachgewiesen. Der Erreger vermag sich allerdings nicht in der Umwelt zu vermehren. Deshalb ist das infizierte Rind als die Haupteintragsquelle von MAP anzusehen.

Der MC ist eine chronisch-inflammatorische Darmerkrankung des Menschen von unbekannter Ätiologie und steigender Inzidenz in Westeuropa, Nordamerika und anderen hoch entwickelten Industrienationen. Vermutlich ist die Erkrankung bei einigen Betroffenen mit einer Mutation innerhalb des Nod2/Card15 Gens, einer wichtigen Signalkomponente des angeborenen Immunsystems, assoziiert. Seit langem wird MAP als mögliches ätiologisches Agens im Zusammenhang mit MC diskutiert. Der Nachweis von MAP in Biopsien von MC Patienten ist erschwert, da MAP als zellwandlose, „schlafende“ Form vorzuliegen scheint. Durch Nutzung moderner Techniken konnte aber in neueren Studien wiederholt MAP häufiger in MC Patienten als bei Kontrollen nachgewiesen werden. Als MAP Quelle kommt nur die Umwelt infrage; hier wird MAP-kontaminierte Milch besonders diskutiert, da MAP I) nach einer Passage in Milch eine höhere Invasivität für Epithelzellen besitzt und II) in geringen Keimzahlen den Pasteurisierungs- und Fermentationsprozess der Milch überlebt. Ob die gegenwärtig erhobenen Lebendkeimzahlen in der Milch repräsentativ sind, ist nach neueren Erkenntnissen fraglich, da nachgewiesen wurde, dass der Pasteurisierungsprozess zur Induktion so genannter VBNC („viable but nonculturable“) Bakterienformen führen kann.

MAP besitzt einen starken Darmtropismus. Im infizierten Rind hat der Erreger über lange Zeit keine Tendenz zu generalisieren. Derzeit gibt es kein Modell in kleinen Versuchstieren, in dem diese einzigartige Eigenschaft von MAP untersucht werden kann, da immunkompetente Tiere nach oraler Infektion nicht oder nur systemisch erkranken.

Der ZooMAP Verbund wird durch neue experimentelle Ansätze Lücken zur zoonotischen Risikoabschätzung von MAP schließen. Die erzielten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu MAP und seinen Pathogenitätsmechanismen sollen eine bessere Risikoabschätzung der derzeitig noch ungeklärten Relevanz von MAP beim Morbus Crohn des Menschen erlauben.